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Einst boomte Acapulco. Nun ist der Alltag im ehemaligen Touristenort grau geworden

Einst boomte Acapulco. Nun ist der Alltag im ehemaligen Touristenort grau geworden

Foto: Jesus Espinosa

Acapulco Vom Luxus-Resort zur Banden-Stadt

Wo sich einst Filmsternchen am Strand vergnügten, herrscht heute der Bandenkrieg. Der Touristenort Acapulco an der mexikanischen Pazifikküste ist eine der gefährlichsten Städte der Welt.

In den 60er und 70er Jahren tummelten sich Filmstars wie Brigitte Bardot und Tarzan-Darsteller Johnny Weissmüller an den Stränden des mexikanischen Luxus-Resorts. Heute ist Acapulco an der Pazifikküste eine der gefährlichsten Städte weltweit.

Erst Mitte Mai überfielen Bewaffnete ein Restaurant mitten im Touristenviertel und töteten drei Kellner. Kurz zuvor ermordete ein Auftragskiller sein Opfer am Strand und flüchtete per Jet-Ski. »Abends ist Acapulco nicht mehr, was es einmal war. Es gibt fast kein Nachtleben mehr. Die Leute, die hier leben oder von außerhalb kommen, haben Angst, auszugehen«, sagt die Geschäftsfrau Laura Caballero Rodríguez. »Wir haben nicht mehr dieselbe Menge ausländischer Touristen, und der Kampf der Regierungen gegen die Gewalt hat bislang keine Resultate gebracht«, sagt sie der Deutschen Presse-Agentur.

 
Von den 17 Geschäften, die sie einst auf der Küstenstraße Miguel Alemán - der Hauptstraße der Stadt - besaß, ist Caballero kein einziges geblieben. Sie alle fielen der Erpressung, Entführungsversuchen und anderen Aktivitäten krimineller Gruppen zum Opfer. Seit 2007 nimmt die Gewalt zu. 2012 entflammte sie, und Unsicherheit schwächt heute erneut das soziale Leben und den Tourismus. Es gab Zeiten, in denen die Schulen schließen mussten.
 
Nach Angaben der gemeinnützigen Organisation Consejo Ciudadano para la Seguridad Pública und der Justizbehörden ist Acapulco die Stadt mit der höchsten Gewaltrate in Mexiko und der vierthöchsten weltweit - Kriegsgebiete nicht mitgerechnet.
 
Der Ort 400 Kilometer südlich der Hauptstadt verzeichnete im vergangenen Jahr 104,73 Morde je 100 000 Einwohner. Angefangen hat alles mit einem Krieg zwischen Drogenhändlern, die um ihr Geschäft kämpften. Heute sind es Verbrechergruppen, die mit Entführungen und der Erpressung von Unternehmern ihr Geld verdienen.
 
»Rund 50 Verbrecherbanden haben die Gewalt in Acapulco wieder aufleben lassen«, sagt der Staatsanwalt von Guerrero, Xavier Olea Peláez. Laut der Justizbehörde des Bundesstaates, in dem Acapulco liegt, befinden sich Gruppierungen wie La Barredora oder das Kartell CIDA in einem Dauerstreit über das Touristenviertel der Küstenstadt.
 
»Das Hauptproblem der Unternehmer und Geschäftsleute ist, dass eine Bande kommt und Geld für die Nutzung der Räumlichkeiten fordert, und kurz darauf kommt eine andere und fordert nochmal dasselbe. Wenn du nicht zahlst, töten sie dich«, erklärt Geschäftsfrau Caballero.
 
Acapulco lebt hauptsächlich von mexikanischen Touristen. Doch die halten sich nach neuen Gewaltausbrüchen fern. »Das Problem sind die Gewalt und ihre Ursachen«, sagt Bürgermeister Evodio Velázquez. Nur eine umfassende Strategie könne der Stadt helfen, glaubt er. Staatliche und private Initiativen müssten zusammenarbeiten, um die örtliche Wirtschaft zu reaktivieren, das soziale Gefüge zu heilen und Infrastrukturprojekte auf den Weg zu bringen.
 
Acapulco wird als die neue Ciudad Juárez gesehen, die von 2008 bis 2010 als gefährlichste Stadt Mexikos galt. Ein umfassender Plan half damals, die Situation in der Stadt an der Grenze zu den USA in den Griff zu bekommen. »Acapulco muss eine ähnliche Lösung suchen«, sagt Velázquez.
 
Seit Januar haben die Behörden die Sicherheitskräfte mindestens dreimal verstärkt. In der Ostersaison kamen 13 000 Soldaten und Marine-Infanteristen hinzu. Laut Angaben aus Sicherheitskreisen sind derzeit mehr als 6000 Beamte der Bundespolizei im Einsatz, um den Hafen zu schützen. Weitere Beamte der städtischen und staatlichen Polizei sowie Armeetruppen bewachen die Schulen.
 
Am 24. April kam es zu einer der schlimmsten Schießereien der letzten Jahre. Fast zwei Stunden lang lieferten sich Polizisten mit den Verbrechern eine Verfolgungsjagd - mitten im Touristenviertel.
 

Gewalt in Mittelamerika: Wie sich Reisende verhalten sollten
 
Die Gewaltkriminalität in Mittelamerika ist sehr hoch. Länder wie El Salvador haben die höchsten Mordraten der Welt. Der Einsatz von Schusswaffen ist bei Überfällen zwischen Mexiko und Panama weit verbreitet, zeigen die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes. Touristen müssen daher besonders umsichtig sein. Sie sollten sich nur in sicheren Stadtteilen aufhalten, keinen Schmuck und andere Wertsachen mit sich tragen, ihre Dokumente im Hotelsafe aufbewahren und nur lizenzierte Taxis benutzen.
 
Kommt es dennoch zu einem Überfall, sollten Reisende unter gar keinen Umständen Widerstand leisten. Denn die Räuber machen oft schon bei kleinsten Anlässen von ihrer Waffe Gebrauch, warnt das Auswärtige Amt. Die Alltagskriminalität in Mittelamerika unterscheidet sich von Land zu Land: Während etwa Guatemala und Honduras besonders gefährlich sind, liegt Costa Rica »auf einem mittleren Platz«, so die deutsche Behörde. In Mexiko kommt es sehr auf den Landesteil an.

(01.06.2016, dpa)

REISE & PREISE sagt Ihnen, welche Rechte sie haben.

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REISERECHT Stau, Zugverspätung - Flieger weg

Da fliegt es davon - und man selbst sitzt auf seinem Koffer im Flughafen anstatt im Flugzeug. Es gibt viele Gründe, warum ein Passagier seinen Flug verpassen kann: verschlafen, Stau auf der Autobahn, S-Bahn verpasst, Zugverspätung. Nicht immer bleibt er allerdings auf seinem Schaden sitzen. REISE & PREISE sagt Ihnen, wann mit Schadensersatz zu rechnen ist.

Grundsätzlich, so Juristen, muss der Reisende bei seiner Anfahrt zum Flughafen »vorhersehbare und einzukalkulierende Risiken im täglichen Straßenverkehr« berücksichtigen. Die Regel gilt bei manchen Richtern sogar für eher nicht vorhersehbare Zwischenfälle. In einem Fall wurde ein Urlauber bei der Anfahrt zum Airport mit seinem Fahrzeug schuldlos in einen leichten Verkehrsunfall verwickelt. Doch das reichte aus, um die Maschine zu verpassen. Der Betroffene wollte vom Unfallgegner dafür Schadensersatz. Doch vor Gericht kam er damit nicht durch. Die Richter bemäkelten vor allem, der Betroffene sei »ohne jedes Zeitpolster erst so spät« losgefahren, dass er durch den Unfall in die Bredouille geriet. (AG Menden; Az.: 4 C 53/05).

Besser haben es Reisende, die ein pauschales Urlaubspaket mit Rail & Fly-Ticket der Deutschen Bahn gebucht haben. Hat der Zug auf der Fahrt zum Flughafen Verspätung und verpasst der Passagier deswegen seinen Flug, dann muss der Reiseveranstalter für den Schaden haften. Frankfurter Richter erklären: Bietet der Reiseveranstalter für die Anreise zum Flughafen Rail & Fly-Tickets an, so gehört dieser Transfer zum Reisevertrag zwischen Veranstalter und Urlauber. Erreicht der Kunde wegen einer Zugverspätung dann nicht rechtzeitig den Check-in-Schalter und bietet der Veranstalter ihm keinen »zeitnahen« Ersatzflug an, so liege ein »erheblicher Reisemangel« vor. Und dann, so

das Gesetz, können betroffene Urlauber nicht nur eine Minderung des Reisepreises fordern, sondern auch die Reise sofort kündigen, bzw. Schadensersatz oder Entschädigung für »nutzlos aufgewendete Urlaubszeit« verlangen. In diesem Fall galt das, obwohl die betroffenen Gäste sich selbst die Zugverbindung ausgesucht hatten (LG Frankfurt am Main, Az.: 2-24 S 109/09).

Auch wer den Flughafen schon erreicht hat, muss aufpassen. In der Wartelounge des Airports von Dubai schlief der Teilnehmer einer deutschen Reisegruppe ein, verpasste deshalb den Weiterflug in den Jemen und musste auf eigene Kosten mit einer späteren Maschine nachkommen. Vor Gericht hatte er noch versucht, die Verantwortung auf die Reiseleiterin abzuwälzen. Die hätte ihn wecken müssen, habe ihre »Betreuungspflicht« nicht erfüllt. Doch die Reiseleiterin hatte ihn geweckt. Der müde Passagier war direkt danach aber erneut eingeschlafen (AG München, Az.: 183 C 15864/07).

Immer wieder verpassen Passagiere ihren Flug, weil sie am Check-in zu lange warten müssen. Hier sind vor allem die Fluggesellschaften in der Pflicht, sie müssen für entstandene Schäden haften. Grundsätzlich gilt: Ein Reisender, der frühzeitig am Abfertigungsschalter erscheint, »darf darauf vertrauen, rechtzeitig abgefertigt zu werden und mitfliegen zu können« (AG München, Az.: 113 C 2852/00). Und: Solange die Abfertigung am Check-in-Schalter noch nicht abgeschlossen ist, darf eine Fluggesellschaft »die Annahme auch des verspätet am Abfertigungsschalter erschienenen Fluggastes nicht verweigern«, so Juristen. Mit anderen Worten: Wer zu spät am Flughafen erscheint, der sollte nicht gleich schwarz sehen, sondern erst mal zum Check-In-Schalter eilen. Werden dort noch andere Gäste abgefertigt, so muss auch er noch an die Reihe kommen. Ist der Schalter aber bereits geschlossen, dann hat der Passagier Pech gehabt (AG Bad Homburg, Az.: 2 C 2101/98-18). Wichtig auch: Bei langen Warteschlangen muss die Airline dafür sorgen, dass Passagiere mit nahender Abflugzeit aus der Check-in-Schlange herausgerufen und schnellstmöglich abgefertigt werden (AG Erding, Az.: 4 C 309/06).

Umgekehrt müssen Fluggäste bei Umsteigeverbindungen oder Anschlussflügen die für jeden Airport gültige »minimum connecting time« berücksichtigen. Mit Blick auf die internationale Ankunft und die Zollformalitäten hält Luftrechtler Roland Schmid zum Beispiel eine nur 50-minütige Umsteigezeit im indonesischen Flughafen Denpassar für "sehr knapp bemessen". Dort hatte ein aus Singapur kommender deutscher Passagier seinen Weiterflug auf die Ferieninsel Lombok verpasst.

(April 2010, Elias Elo)

Passagiere haben bei Verspätungen Anspruch auf Entschädigung, wenn die Airline keine Ersatzcrew stellen kann.

Passagiere haben bei Verspätungen Anspruch auf Entschädigung, wenn die Airline keine Ersatzcrew stellen kann.

Foto: R&P

Reiserecht Airline muss Ersatzcrew stellen

Eine Airline muss notfalls eine Ersatzcrew parat haben, um große Verspätungen zu vermeiden. Sorgt eine Airline nicht vor, haben Passagiere bei Verspätungen Anspruch auf eine Entschädigung. 
Der Streik macht vielen Reisenden einen Strich durch die Planung.

Der Streik macht vielen Reisenden einen Strich durch die Planung.

Foto: R&P Archiv

Reiserecht  Diese Rechte haben Fluggäste beim Streik

Am Flughafen in Frankfurt haben die rund 200 Vorfeldmitarbeiter erneut die Arbeit niedergelegt. Der Streik könnte bis Donnerstag andauern. Betroffene Passagiere sollten jetzt ihre Rechte kennen.