
Playa de Santa Justa, einer der Traumstrände von Kantabrien in Nord-Spanien.
Foto: Wikimedia Commons, AmaviscaNord-Spanien Der Norden - Das immergrüne Spanien
Reisen in den Norden von Spanien zeigen viel Überraschendes. Höhlen, Strände, Hochgebirge, Fischerhäfen und Naturparks – welch eine Vielfalt! Kantabrien und Asturien sind wie geschaffen für Individualisten. REISE & PREISE bringt Ihnen die Highlights der Regionen näher. Ein Reisebericht über Nord-Spanien.Nebenkosten und Preise in Spanien
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Dieser Brauch verlangt nach etwas Akrobatik. Erster Schritt: Man öffne eine Flasche Apfelwein und nehme ein Glas mit großer Öffnung. Zweiter Schritt: das Glas in der Linken so weit wie möglich unter Hüfthöhe bringen, die Flasche in der Rechten über den Kopf. Dritter Schritt: eingießen. Je nach Armlänge liegt zwischen Flaschenhals und Glas ein Meter Apfelweinstrahl. Langer Luftweg und starker Aufprall binden Sauerstoff und geben der asturischen Sidra ihre perlige Frische. Natürlich erreicht bei derlei Ausschank nicht alles das Ziel, selbst bei den erfahrensten Kellnern nicht. Es folgt des Kultes letzter Teil: Nach kräftigen Schlucken belässt man einen Rest im Glas, schwenkt um und gießt ihn auf den Boden. Bleibt die Erkenntnis, dass es mehr Feuchtgebiete gibt, als man glaubt ...
Asturien und Kantabrien, die beiden Großregionen in Spaniens grünem Norden, sind erfrischend anders als der Rest des Landes. Bettenburgen, Deutsch, Flamenco – all das darf niemand auf Reisen durch Nordspanien erwarten, dafür viele stille Winkel und reichlich Überraschungen. Nicht zu rütteln ist an manch industriellem Schandfleck, am frischen Atlantik und am beständig unbeständigen Wetter. Es regnet oft, doch die Luft ist so mild, dass in Vorgärten Zitronenbäume gedeihen. An den stark zergliederten Küsten treiben Klippen, Dünen, Kaps und Strände ihr Wechselspiel. Dahinter breiten sich sattgrüne Rinderwiesen, Eukalyptushaine, Farnhänge, Ginster und Brombeersträucher aus. Fast überall drängen Bergausläufer an die Küste, tiefer im Inland kratzt das schroffe Gebirge der Picos de Europa an den Wolken. Kulturakzente setzen präromanische Kirchen und Städte wie Santander.
Nord-Spanien
Kantabrien - Strandhighlights an der Ostküste
Castro-Urdiales ist der beste Auftakt für all jene, die östlich von Bilbao die Reise beginnen. Fischerboote, Promenaden und die Plateaus der Kirche Santa María und der Burg komponieren die Ansichten rund um Hafen und Altstadt; aus der Festung erhebt sich ein kleiner Leuchtturm. Überall ertönt Möwengekreisch, das hafennahe »Mesón Marinero« tischt eine Portion Sardellen auf. Die Stadtstrände Ostende und Brazomar wirken bescheiden, doch keine Sorge: In Kantabrien stehen Dutzende weiterer zur Wahl, so wie westwärts der Playa de Sonabia, der sich zu Füßen des Küstenmassivs Monte Candina in einer tief eingeschnittenen Seitenbucht versteckt.
Im Kontrast dazu steht Laredo mit seinem fünf Kilometer langen Playa La Salvé, der dahinter leider – atypisch für Nordspanien – mit Apartmentblocks zugepflastert ist. Der Meeresarm von Treto trennt Laredo vom schönsten Feriengebiet Ostkantabriens, das hinter dem Hafen und Fischfabrikstädtchen Santoña beginnt und sich bis Pedreña erstreckt. An die Deichstraße, die auf Santoña zuführt, stößt ein Naturpark aus Marschen, Schutzgebiet für Vogelarten wie Austernfischer und Fischreiher. Nordwestlich Richtung Noja erwartet Sie mit dem Playa de Berria ein Traumstrand, der sich über zwei Kilometer von Felsmassiv zu Felsmassiv spannt. Weitere Strand-Highlights setzen der an Noja grenzende Playa de Trengandín und der Playa de Ris; die ausgesprenkelten Felsen geben den Stränden den Anstrich von Wildromantik.
Nord-Spanien
Santander - Küstenstadt mit herrlichem Strand
Elegant und vital sind Attribute, die zu Santander (190.000 Einw.) passen. Kantabriens Hauptstadt macht sich auf einer weit ausgreifenden Landzunge zwischen Hafenbucht und Atlantik breit. Satellitenviertel und Hafenkräne mögen zunächst erschrecken, doch warten Parks, Promenaden und der Playa del Sardinero, einer der landesweit attraktivsten und längsten Stadtstrände. Hinter dessen Südostende erhebt sich die Halbinsel Magdalena, gekrönt von einer königlichen Sommerresidenz. Im dazugehörigen Park verästeln sich Wege durchs Grün, frei zugänglich ist auch ein Areal mit Schiffsrepliken und Seelöwenbecken.
Die Feuersbrunst von 1941 erklärt, dass in Santander eine Altstadt weitestgehend fehlt. Bemerkenswert sind der Hauptplatz und die Kathedrale, hinter dem Rathaus die Fischmarkthalle, um die Calle Juan de Herrera und die Calle Arrabal liegen Boutiquen und nette kleine Geschäfte. Weitere Tipps für die Reise nach Nordspanien: eine Einkehr im alten Marktgebäude Mercado del Este im »Casa del Indiano«, ein Besuch des Meereskundemuseums und ab der Calderón-Mole eine Bootstour durch die Bucht bis Somo und Pedreña. Über Land lohnt ein Abstecher zum Leuchtturm am Cabo Mayor, ein Panoramathron über den Klippen.
Nord-Spanien
Unterkünfte - Die schönsten Hotels an der Strecke
SANTONA
»Juan de la Cosa« €€
Hinter dem Playa Berria liegt das 4-Sterne-Hotel »Juan de la Cosa«.
NOJA
»Playa Joyel« €€€
Tipp für Campingfans und mit Bungalows verschiedener Kategorien ausstaffiert ist der Platz
»Playa Joyel«.
SANTANDER
»Bahía« €€€
Ideales Quartier zwischen Kathedrale und Bucht ist der Hotelturm »Bahía«.
Nord-Spanien
Nordspanien-Reise - Die schönsten Abstecher
Mit dem Auto in den Wildpark Cabárceno
Er ist einer der ungewöhnlichsten Wildparks im Südwesten Europas: der Parque de la Naturaleza de Cabárceno. Bizarre Gesteinsformationen bilden die Kulissen für über hundert Tierarten. Ein Highlight ist das Bärengelände, auf dem sich die Raubtiere ein Stück in die Berge zurückziehen können. Ebenso spannend wie die Stopps an den Aussichtspunkten – mit Blick auf Zebraherden, Gorillas, Wölfe und Flusspferdesee – sind die engen Sträßchen, die sich zwischen den Felsen hindurchwinden. Der Park 20 Kilometer südlich von Santander kann auf Reisen in Spaniens Norden nur per Bus oder im eigenen Wagen befahren werden. Im Eintritt enthalten sind Besuche des Reptilariums und der Seelöwen- und Raubvögelshows.
Picos de Europa - Abstecher in den Berg-Nationalpark
Schneestürme im Winter, blühende Blumenwiesen im Sommer – das bietet der Nationalpark Picos de Europa, der sich im Küstenhinterland als Bergbarriere aufwirft und mit dem Torreceredo (2.648 m) seine größte Höhe erreicht. Der östliche Einstieg in die Hochgebirgslandschaft führt ab Unquera über Potes bis Fuente Dé, eingefasst in ein weites, grünes Tal und Startpunkt einer Seilbahn zu Panoramaterrassen und dem Beginn von Wanderwegen. Kulturinteressierte kombinieren Hin- oder Rückweg mit der mozarabischen Kirche von Lebeña und dem Kloster Santo Toribio de Liébana. Der Westeinstieg in die Picos führt über Arriondas und Cangas de Onís, wo es ein Infobüro zum Nationalpark gibt. Ein Sträßchen führt am Heiligtum von Covadonga vorbei zu den Gletscherseen Enol und Ercina, allerdings gibt es während der Ferienzeiten Auffahrtbeschränkungen; dann muss man auf den Bus umsteigen. Weitere Ziele im Nationalpark: eine Wanderung durch die Cares-Schlucht und ab Poncebos führt die Reise mit der Bulnes-Bergbahn ins Gebirge.
Nord-Spanien
Malerisches Santillana - Kunst und Kultur
Gepflasterte Gassen, Torbögen, Adelshäuser mit Wappen, Balkone mit Pflanzenpracht, eine romanische Stiftskirche... Santillana del Mar gibt sich als tausendjähriges Gedicht aus Stein – und ist an manchen Tagen recht überlaufen. Die Schrecken der Inquisition zeigt das Foltermuseum. Über Plätze und Gassen verteilen sich Feinkostläden, im denkmalgeschützten Kern liegen Restaurants wie »El Castillo« und »Altamira«.
Wieder Lust aufs Meer? Ab Cóbreces bietet sich ein Abstecher zum kleinen Playa de Luaña an. Oder Sie warten bis zum Strand- und Hafenstädtchen Comillas, das zudem mit einem sensationellen Konzentrat an Jugendstilbauten auftrumpft. Die Lokalaristokratie verschaffte den berühmtesten Meistern ihrer Epoche Ende des 19. Jh. Aufträge, darunter Antoni Gaudí mit dem Palais El Capricho und Joan Martorell mit dem Palast Sobrellano. Majestätisch über Comillas thront der Backsteinkomplex der Universidad Pontificia, einst kirchliche Bildungsanstalt, heute Zentrum für Spanischstudien und Kultur. Letzte Strand-Highlights in Kantabriens Westen sind der Playa de Oyambre und der Playa de Merón, beide lang und rau und ungeschützt zum offenen Ozean hin gewandt.
Nord-Spanien
Spaniens Nordküste - Hafenstädtchen mit Flair und Eleganz
Klippen, Bergblicke und Felskanäle, durch die bei schwerer See das Wasser schießt und Geysiren gleich über zwanzig Meter hoch zerstäubt – Bufones de Pría heißt dieses Küstenziel der Reise bei Llames. Das Hafenstädtchen Llanes, 23 km weiter westlich, verströmt mit seinen Villen, Holzbalkonen, Glasfassaden und historischem Viertel Flair und Eleganz zugleich. Hier mündet ein kleiner Flusslauf ins Meer, hier hat ein Künstler bunte Molenblöcke gestaltet.
Mit seinem lang geschwungenen Sandstrand Santa Marina, Sporthafen und Promenaden ist Ribadesella an der Mündung des Río Sella ein hervorragender Küstenstützpunkt. Im Hinterland bleiben Bergkulissen und Wiesengrün allgegenwärtig, das beste Gesamtpanorama eröffnet sich auf dem Plateau der einstigen Einsiedelei. Fantastische Küche bietet das ca. 2 km außerhalb gelegene Restaurant »La Huertona«. In der Altstadt von Ribadesella tischt das Restaurant »Llantares de Mar« leckeres Spanferkel auf.
Spielraum für Entdeckungen gibt der Meeresarm von Villaviciosa mit dem Sandstrand Rodiles auf der Ost- und der Minibucht von Tazones (bunte Hausfassaden, Fischrestaurants) auf der Westseite. Landeinwärts bei Colunga liegt das Dinosaurier-Museum – ein Tipp auch für Familien. In der Reihe attraktiver Destinationen an Asturiens Westküste stehen das Hafenstädtchen Luarca und die Strände um Cudillero.
Nord-Spanien
Städtedreieck - Oviedo, Gijón und Avilés entdecken
Sie liegen höchstens 35 km voneinander entfernt, jede pflegt ihre ganz eigene Struktur: Gijón, Avilés und Oviedo. Jede ist eine Erkundung auf der Reise nach Nordspanien wert. Gijón (280.000 Einw.) ist ein Riesenmix aus Strand-, Industrie- und Hafenstadt. Lohnend sind ein Besuch im botanischen Garten und des Kulturzentrums »Laboral Ciudad de Cultura«. Die kleinere Regionalhauptstadt Oviedo trägt elegante Züge und vereint mit der Kathedrale, den Kirchen der Präromanik und dem Museum der Schönen Künste sehenswerte Kulturziele. Oviedos City lädt zum Kneipenbummel und Tafeln ein, darunter im Restaurante. Die Industriemetropole Avilés bietet seit März 2011 einen echten Magneten! Brasiliens Stararchitekt Oscar Niemeyer entwarf ein futuristisches, leuchtweißes Kulturzentrum, das mit der umliegenden Tristesse aus Grau und Schloten bricht.
Nord-Spanien
Höhlenkunst - Künstler der Steinzeit
Steinzeitmalerei in der Altamira-Höhle
In Kantabrien haben prähistorische Höhlenkünstler eine Vielzahl an Zeugnissen hinterlassen. Die berühmte Höhle von Altamira bei Santillana del Mar ist öffentlich nicht mehr zugänglich, im Museum nahebei ist ein Imitat zu sehen. Ein echtes Erlebnis auf der Reise in den Norden Spaniens dagegen ist eine Führung durch die Cueva de El Castillo im Monte Castillo, 1,4 km von Puente Viesgo. In der 1903 entdeckten Höhle treten die Tropfsteine vor den Zauberbildern der Steinzeitler in den Hintergrund: Hirschkühe, Hände, ein Wisentkopf, Stier, die Konturen eines Pferdes, geheimnisvolle Zeichen... Star unter Kantabriens Tropfsteinhöhlen ist die Cueva El Soplao in den Bergen südlich von San Vicente de la Barquera. Wahrzeichen sind die Excéntricas, schneeweiße Filigrangebilde, die die Gewölbe wie geisterhafte Spinnweben, wie Korallenwälder wirken lassen. Licht- und Toneffekte begleiten den 1,5 km langen Rundgang . In Asturien liegt am Rand von Ribadesella die wegen ihrer Felsbilder bekannte Höhle Tito Bustillo, zu der ein nagelneues Zentrum prähistorischer Kunst gehört.
Nord-Spanien
Informationen über Reisen nach Spanien
EINREISE
EU-Bürger benötigen für die Einreise nach Spanien nur einen gültigen Personalausweis.
GELD
In ganz Spanien können Sie ohne wechseln zu müssen wie gewohnt mit dem Euro bezahlen.
ANREISE
Gute vier Stunden, und man landet im ewigen Frühling. Viele Ferienflieger bedienen auch dieses Ziel.
ESSEN & TRINKEN
Zu den Spezialitäten gehört der Schimmelkäse Cabrales. Für den feinen Gaumen eignen sich gefüllte Seeigel (Horicios), Seeteufel (Rape), Hirsch- und Wildschweinwurst. In Asturien Sattmacher Nummer eins ist die Fabada, ein Eintopf aus Bohnen, Speck, Paprika- und Blutwurst.
UNTERKUNFT
Ein einfaches Doppelzimmer ist ab € 35 zu haben, die Mittelklasse beginnt bei € 55. Frühstück ist meist nicht inbegriffen. Landhausunterkünfte findet man online. In der Hochsaison im August sind die Preise bis zu dreimal so hoch wie im Oktober.
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AUSKÜNFTE
Lietzenburger Str. 99, 10707 Berlin,
Tel. 030-8826543, www.spain.info/de
WEITERE INFORMATIONEN
Der vollständige Artikel über die Spanien mit vielen Tipps zur Urlaubsplanung, Preisen, Adressen, Telefonnummern, Nebenkosten und Kalkulation der Urlaubsreise ist erschienen in REISE & PREISE 3-2011. Die Ausgabe können Sie sich für € 4,90 nach Hause schicken lassen (Heft bestellen)
(ANDREAS DROUVE 3/2011)
