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Wenn Urlauber im Reisebüro buchen, kann ihnen ein Versicherungspaket angeboten werden

Wenn Urlauber im Reisebüro buchen, kann ihnen ein Versicherungspaket angeboten werden

Foto: Katharina Hölter

ReiseVERSICHERUNG Versicherungen nicht als Paket kaufen

Im Urlaub will man nur eins: sich entspannen. Damit man keine Gedanken an Gepäckverlust und Co. verschwenden muss, bieten Reisebüros Rundum-Sorglos-Pakete an. Doch Versicherungsexperten raten davon ab.

Urlauber sollten im Reisebüro nicht mehrere Versicherungen als Gesamtpaket zur Reise dazukaufen. »Ich kann nur davon abraten«, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. »Das ist auf keinen Fall günstiger als separate Versicherungen.«
 
Häufig wird Urlaubern im Reisebüro ein Rundum-Sorglos-Paket angeboten, das aus Auslandsreisekranken-, Reiserücktritts- und Reisegepäckversicherung besteht. Der Verlust des Reisegepäcks in Europa sei aber bereits durch viele Hausratpolicen abgesichert. Diese zahlen zum Beispiel bei Diebstahl aus dem Hotelzimmer oder Raub, wie die Versicherungsexpertin erläutert. »Man sollte sich nur gegen Risiken versichern, die einen ruinieren können«, sagt Boss. »Das dürfte bei Gepäckverlust nicht der Fall sein.«

 
Die Krankenversicherung fürs Ausland sollte ebenfalls separat von der Reise dazugekauft werden. Jahrespolicen gibt es Boss zufolge für Familien für rund 20 bis 30 Euro, Alleinreisende zahlen 10 bis 15 Euro. Hier lohnt ein Blick auf Vergleichsportale. »Es gibt ein paar kritische Punkte, die man kennen sollte«, sagt Boss: Für chronisch Erkrankte gebe es oft Einschränkungen bei den Leistungen, es werden vorhersehbare Behandlungen vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Dann ist im Vertrag von »unvorhergesehenen«, »nicht absehbaren« oder »akuten« Erkrankungen die Rede. Für chronisch Kranke sind solche Anbieter nicht geeignet.
 
Empfehlenswert sind Policen, die den Rücktransport aus dem Urlaubsland nicht nur bezahlen, wenn er medizinisch notwendig, sondern auch wenn er medizinisch sinnvoll ist, rät Boss. Das heißt konkret: Auch wer auf Reisen nicht lebensbedrohlich erkrankt, möchte lieber im Kreis der Verwandten in Deutschland genesen als in einem Krankenhaus in Ägypten, Thailand oder Mexiko.
 
(29.01.2015, dpa)
 



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REISE & PREISE sagt Ihnen, welche Rechte sie haben.

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REISERECHT Stau, Zugverspätung - Flieger weg

Da fliegt es davon - und man selbst sitzt auf seinem Koffer im Flughafen anstatt im Flugzeug. Es gibt viele Gründe, warum ein Passagier seinen Flug verpassen kann: verschlafen, Stau auf der Autobahn, S-Bahn verpasst, Zugverspätung. Nicht immer bleibt er allerdings auf seinem Schaden sitzen. REISE & PREISE sagt Ihnen, wann mit Schadensersatz zu rechnen ist.

Grundsätzlich, so Juristen, muss der Reisende bei seiner Anfahrt zum Flughafen »vorhersehbare und einzukalkulierende Risiken im täglichen Straßenverkehr« berücksichtigen. Die Regel gilt bei manchen Richtern sogar für eher nicht vorhersehbare Zwischenfälle. In einem Fall wurde ein Urlauber bei der Anfahrt zum Airport mit seinem Fahrzeug schuldlos in einen leichten Verkehrsunfall verwickelt. Doch das reichte aus, um die Maschine zu verpassen. Der Betroffene wollte vom Unfallgegner dafür Schadensersatz. Doch vor Gericht kam er damit nicht durch. Die Richter bemäkelten vor allem, der Betroffene sei »ohne jedes Zeitpolster erst so spät« losgefahren, dass er durch den Unfall in die Bredouille geriet. (AG Menden; Az.: 4 C 53/05).

Besser haben es Reisende, die ein pauschales Urlaubspaket mit Rail & Fly-Ticket der Deutschen Bahn gebucht haben. Hat der Zug auf der Fahrt zum Flughafen Verspätung und verpasst der Passagier deswegen seinen Flug, dann muss der Reiseveranstalter für den Schaden haften. Frankfurter Richter erklären: Bietet der Reiseveranstalter für die Anreise zum Flughafen Rail & Fly-Tickets an, so gehört dieser Transfer zum Reisevertrag zwischen Veranstalter und Urlauber. Erreicht der Kunde wegen einer Zugverspätung dann nicht rechtzeitig den Check-in-Schalter und bietet der Veranstalter ihm keinen »zeitnahen« Ersatzflug an, so liege ein »erheblicher Reisemangel« vor. Und dann, so

das Gesetz, können betroffene Urlauber nicht nur eine Minderung des Reisepreises fordern, sondern auch die Reise sofort kündigen, bzw. Schadensersatz oder Entschädigung für »nutzlos aufgewendete Urlaubszeit« verlangen. In diesem Fall galt das, obwohl die betroffenen Gäste sich selbst die Zugverbindung ausgesucht hatten (LG Frankfurt am Main, Az.: 2-24 S 109/09).

Auch wer den Flughafen schon erreicht hat, muss aufpassen. In der Wartelounge des Airports von Dubai schlief der Teilnehmer einer deutschen Reisegruppe ein, verpasste deshalb den Weiterflug in den Jemen und musste auf eigene Kosten mit einer späteren Maschine nachkommen. Vor Gericht hatte er noch versucht, die Verantwortung auf die Reiseleiterin abzuwälzen. Die hätte ihn wecken müssen, habe ihre »Betreuungspflicht« nicht erfüllt. Doch die Reiseleiterin hatte ihn geweckt. Der müde Passagier war direkt danach aber erneut eingeschlafen (AG München, Az.: 183 C 15864/07).

Immer wieder verpassen Passagiere ihren Flug, weil sie am Check-in zu lange warten müssen. Hier sind vor allem die Fluggesellschaften in der Pflicht, sie müssen für entstandene Schäden haften. Grundsätzlich gilt: Ein Reisender, der frühzeitig am Abfertigungsschalter erscheint, »darf darauf vertrauen, rechtzeitig abgefertigt zu werden und mitfliegen zu können« (AG München, Az.: 113 C 2852/00). Und: Solange die Abfertigung am Check-in-Schalter noch nicht abgeschlossen ist, darf eine Fluggesellschaft »die Annahme auch des verspätet am Abfertigungsschalter erschienenen Fluggastes nicht verweigern«, so Juristen. Mit anderen Worten: Wer zu spät am Flughafen erscheint, der sollte nicht gleich schwarz sehen, sondern erst mal zum Check-In-Schalter eilen. Werden dort noch andere Gäste abgefertigt, so muss auch er noch an die Reihe kommen. Ist der Schalter aber bereits geschlossen, dann hat der Passagier Pech gehabt (AG Bad Homburg, Az.: 2 C 2101/98-18). Wichtig auch: Bei langen Warteschlangen muss die Airline dafür sorgen, dass Passagiere mit nahender Abflugzeit aus der Check-in-Schlange herausgerufen und schnellstmöglich abgefertigt werden (AG Erding, Az.: 4 C 309/06).

Umgekehrt müssen Fluggäste bei Umsteigeverbindungen oder Anschlussflügen die für jeden Airport gültige »minimum connecting time« berücksichtigen. Mit Blick auf die internationale Ankunft und die Zollformalitäten hält Luftrechtler Roland Schmid zum Beispiel eine nur 50-minütige Umsteigezeit im indonesischen Flughafen Denpassar für "sehr knapp bemessen". Dort hatte ein aus Singapur kommender deutscher Passagier seinen Weiterflug auf die Ferieninsel Lombok verpasst.

(April 2010, Elias Elo)

Passagiere haben bei Verspätungen Anspruch auf Entschädigung, wenn die Airline keine Ersatzcrew stellen kann.

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Foto: R&P

Reiserecht Airline muss Ersatzcrew stellen

Eine Airline muss notfalls eine Ersatzcrew parat haben, um große Verspätungen zu vermeiden. Sorgt eine Airline nicht vor, haben Passagiere bei Verspätungen Anspruch auf eine Entschädigung. 
Der Streik macht vielen Reisenden einen Strich durch die Planung.

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Foto: R&P Archiv

Reiserecht  Diese Rechte haben Fluggäste beim Streik

Am Flughafen in Frankfurt haben die rund 200 Vorfeldmitarbeiter erneut die Arbeit niedergelegt. Der Streik könnte bis Donnerstag andauern. Betroffene Passagiere sollten jetzt ihre Rechte kennen.