
Widerspenstige Fluggäste: Bordverweis für Passagiere
Foto: ...WIDERSPENSTIGE FLUGGÄSTE
Bordverweis für Passagiere
Alkohol, Rauchen und der Gebrauch elektronischer Geräte sind die häufigsten Gründe für einen Bordverweis. REISE & PREISE sagt Ihnen, wann Sie die Rote Karte bekommen können.
Manchmal enden feuchtfröhliche Feiern schneller, als man denkt: Eben noch hat die Gruppe den Abschied vom Urlaubsziel mit dem einen oder anderen Glas an der Flughafenbar begossen. Bereits erheblich angeheitert, will einer von ihnen an Bord die Gläser weiter kreisen lassen. Doch daraus wird nichts – wer sich partout nicht an die Regeln halten will, bekommt die Rote Karte und fliegt raus.
»Alkohol, Rauchen und elektronische Geräte«, so Jean-Claude Donzel von der Schweizer Lufthansa-Tochter Swiss, sind die häufigsten Gründe für einen Bordverweis. Wer sich beispielsweise weigert, die Zigarette auszumachen, die Flasche aus dem Duty-Free-Shop ab - zugeben oder das Handy abzuschalten, den übergibt der verantwortliche Kapitän schon mal der Flughafenpolizei. Die Zahl der Fälle ist allerdings gering. Bei der Finnair sind es etwa 150, bei Tuifly nur fünf, bei Condor etwa zehn pro Jahr. Swiss kam 2007 auf immerhin 367 Fälle.
Auch Prominente fallen aus dem Rahmen
In die Schlagzeilen geraten natürlich prominente Renitente: Jüngstes Beispiel ist das Supermodel Naomi Campbell, das nach wütenden Ausfällen auf dem Londoner Flughafen Heathrow von British Airways auf Lebenszeit aus ihren Maschinen verbannt wurde. Und Skandalrocker Pete Doherty darf nicht mehr mit EasyJet fliegen, seit er auf dem Flug von London-Gatwick nach Barcelona offenbar eine blutige Methadonspritze auf der Flugzeugtoilette liegen ließ und die Crew beschimpfte.
Widerspenstige Fluggäste: Bordverweis für Passagiere
Tätliche Übergriffe, sexuelle Belästigung: »Unruly passengers« unerwünscht
Da die Sicherheit in der Luft besonders wichtig ist, gilt alles, was für Gefahr am Himmel sorgen könnte, als Ausschlussgrund. Meist entscheidet darüber der Pilot, es kann aber auch das Sicherheitspersonal am Boden oder der Supervisor sein, der sich um das Abfertigen der Maschine kümmert. Außer durch Alkohol, Rauchen und elektronische Geräte machen sich Fluggäste auch durch tätliche Übergriffe, sexuelle Belästigung, verbale Beleidigungen zu unruly passengers:
Ende März musste eine LTU-Maschine von Bangkok nach Düsseldorf ungeplant in Warschau zwischenlanden, weil ein Passagier auf seine Begleiterin einschlug.
Gar nicht erst in die Luft gehen konnte eine Swiss-Maschine, die nach Italien starten sollte. Eine Passagierin ließ ihren Hund durch die Kabine tollen, statt ihn in die vorgesehene Transporttasche zu stecken.
Eine Ryanair-Passagierin brachte in Rom ein Krokodil mit an Bord. Zwar war das Reptil aus Plüsch, aber es sollte laut Eigentümerin unbedingt am Notausstieg sitzen, statt in die Ablagen verstaut zu werden.
Die Flugbegleiter einer British-Airways-Maschine komplimentierten einen deutschen Urlauber auf Hawaii von Bord, der sich durch ausgeprägten Körpergeruch auszeichnete. Ein Ersatz-T-Shirt hatte er nicht mit. Der Kapitän entschied: Den anderen Gästen ist ein 18-stündiger Flug in diesem Umfeld nicht zuzumuten.
Widerspenstige Fluggäste: Bordverweis für Passagiere
Ebenfalls unerwünscht: »Zu sexy« oder Porno-Hefte
Zu sexy oder zu politisch – beides kann die Rote Karte eintragen
Eine Studentin aus den USA wollte offenbar ähnliche Hitzewallungen vermeiden und zog sich eher spärlich an. »Zu sexy«, meinte eine Stewardess der Southwest Airlines. Entweder ziehe sie sich etwas über – oder sie müsse von Bord. Erst als die 23-Jährige ihre Beine mit einer Decke verhüllte, durfte sie mitfliegen. Ihre nackte Haut können Interessierte sich nun bald im Playboy ansehen. Das Magazin machte der Amerikanerin nach dem Wirbel ein entsprechendes Angebot. Aber Vorsicht: Wer im Flieger in einem Porno-Heft blättert, der wird womöglich vor die Tür gesetzt, so geschehen einem Geschäftsmann in Südafrika.
Bekleidung ganz anderer Art führte in Melbourne zum Verweis für einen Gast der Qantas. Der 55-Jährige hatte ein T-Shirt mit dem Aufdruck »World’s Number 1 Terrorist« unter einem Bild des US-Präsidenten George W. Bush getragen. »Umziehen« forderte die Crew, doch der Gast weigerte sich. »Solche Meinungsäußerungen sind an Bord nicht erlaubt«, sagte ein Sprecher der Gesellschaft.
(Oktober 2008)